2. Internationale Fachtagung "Psychologische Diagnostik"

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 25.–26.11.2019 von 09:30 bis 17:00 Uhr | Wien

Die Österreichische Akademie für Psychologie | ÖAP veranstaltet gemeinsam mit dem Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) und dem Qualitätszirkel "Diagnostik" vom 25.-26.11.2019 in Wien zum zweiten Mal die Internationlae Fachtagung "Psychologische Diagnostik - Stellenwert klinisch-psychologischer Diagnostik".

Programmcover

Die Schwerpunkte der Tagung liegen einerseits auf den theoretischen, grundlegenden Aspekten in der Diagnostik sowie in der "Best Practice"-Umsetzung in die Praxis. Die Tagung soll der Vertiefung und Fortbildung in neuen Bereichen dienen und zu einer Qualitätssicherung u.a. bei Klinischen PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen sowie Vertrags- und WahlpsychologInnen führen.

Der erste Tag, 25.11.19, wartet u.a. mit interessanten Vorträgen zu neuen Entwicklungen im Bereich der Diagnostik und mit spannenden Doppelconferencen über die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf.
Aktuelle Information: Aufgrund der Absage von Herrn Prof. Dr. Goldenberg wird Frau Mag.a Katja Petrovic (Universitätsklinik für Neurologie, Graz) zum Thema "Depression oder Demenz" referieren.

Am zweiten Tag, 26.11.19, können Sie sich - nach dem einleitenden Gesamtvortrag - aus 3 Blöcken mit jeweils 3 parallelen vertiefenden 90 minütigen Vorträgen Ihr individuelles Tagungsprogramm zusammenstellen.

Teilnahmegebühr

  • EUR 270,00 BÖP-Mitglieder
  • EUR 315,00 Nicht BÖP-Mitglieder

  • EUR 100,00 Studierende (im Magister/Masterstudium mit Nachweis eines gültigen Studierendenausweises) und TeilnehmerInnen der ÖAP Ausbildung KP/GP
    Verpflegung (Kaffeepausen und Mittagessen) ist in der Teilnahmegebühr inbegriffen

Für die gesamte Veranstaltung, 25. und 26.11.19, werden gemäß Psychologengesetz 2013, BGBI I 182/2013 16 Einheiten angerechnet.

Anmeldefrist bis 19.11.19 verlängert

Referent/in

Prof. Dr. Thomas Beblo (D), Dr.in Franziska Brunner (D), Matthias Huber, M.Sc. (CH) uvm

Veranstaltungsort

Expedithalle Wien
Absberggasse 27
1100 Wien

Vortragsblock 1

A "Sexualpsychologische Diagnostik"

Diagnostik im Kontext von Sexualität und Geschlechtsidentität birgt besondere Schwierigkeiten. Zum einen liegt es daran, dass noch immer nicht alle PsychologInnen und PsychotherapeutInnen mit den Diagnosekriterien sexueller Störungen und der Durchführung einer Sexualanamnese vertraut sind. Im ersten Teil werden daher die häufigsten sexuellen Funktionsstörungen von Frauen und Männern behandelt: Störungen der sexuellen Appetenz, Störungen der sexuelle Erregung, Orgasmusstörungen, Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen. Neben den aktuellen Diagnosekriterien werden inhaltliche und formale Beschreibungskriterien vermittelt und die Abgrenzung zwischen sexuellen Problemen und Störungen hervorgehoben. Der zweite Teil behandelt die Diagnostik bei Transgender Personen, welche aufgrund einer Inkongruenz zwischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen und ihrer Geschlechtsidentität Zugang zum Gesundheitssystem suchen. Grundzüge der Behandlungsrichtlinien und der aktuelle Stand der Diagnostik werden anhand der Veränderungen in den medizinischen Klassifikationssystemen ICD und DSM dargestellt.

B "Kognitive Störungen bei psych. Erkrankungen am Bsp. depressiver Störungen"

Neuropsychologische Beeinträchtigungen werden primär mit neurologischen Erkrankungen assoziiert. Zwar ist seit längerem bekannt, dass auch psychische Störungen mit neuropsychologischen Einschränkungen einhergehen, jedoch wird das Profil und das Ausmaß dieser Einschränkungen erst seit kürzerem systematisch untersucht. Dabei wird deutlich, dass sich die Einschränkungen von den Beeinträchtigungen neurologischer Patienten, zumal solchen mit klar umrissenen Hirnschädigungen, unterscheiden. So kommen neuropsychologische Syndrome wie Apraxie oder Aphasie in der Regel nicht vor. Auch ist es nach zuletzt intensiven Forschungsbemühungen nicht gelungen, ein klares neuropsychologisches Defizitprofil bestimmter psychiatrischer Patientengruppen heraus zu arbeiten. Neben diesen phänomenologischen Besonderheiten ist bei psychiatrischen Patienten unklar, woher diese kognitiven Defizite eigentlich kommen, ist doch eine klare Veränderung des Gehirns nicht immer ersichtlich.

Am Beispiel depressiver Störungen wird zunächst zum Ausmaß und Profil neuropsychologischer Störungen Stellung genommen. Anschließend werden verschiedene Faktoren genannt, die diesen Störungen zugrunde liegen können. Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags liegt schließlich auf der klinischen Relevanz der neuropsychologischen Symptome.

C "Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderung"

Jedes Kind, jede/r Jugendliche muss die Möglichkeit haben in der diagnostischen Untersuchung Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen zu demonstrieren. Für manche sind diese Situationen eine Herausforderung, da sie beispielsweise nicht lange genug bei einer Aufgabe bleiben können, oder motorische Einschränkungen bestehen, die eine standardisierte Testvorgabe unmöglich machen. In unterschiedlichen klinischen Kontexten besteht also die Aufgabe Untersuchungen so zu gestalten, dass diagnostische Prinzipien umgesetzt, gleichzeitig individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Der Vortrag beschäftigt sich mit den Fragen:

  • Welche Implikationen haben kognitive, motorische, sensorische oder sozio-emotionale Einschränkungen von Kindern und Jugendlichen für den diagnostischen Prozess?
  • Welche Ziele sollen erreicht werden? Oftmals erfolgt eine Diagnostik nicht mit dem Ziel eine Entwicklungsstörung oder ein psychisches Gesundheitsproblem festzustellen, sondern auch, um kleine Veränderungen zu erkennen, die essenziell für die klinische Praxis wie auch für die (Entwicklungs-)Rehabilitation und Entwicklung neuer Interventionsstrategien sind.
  • Welche Möglichkeiten bestehen, um diagnostische Gespräche, Testverfahren oder Fragebögen zu adaptieren oder zu verändern?
  • Was bietet der Einsatz digitaler Technologien in der Diagnostik?
  • Welche Rolle spielt die ICF-CY, welche ein Rahmenmodell für die Diagnostik von Behinderungen bietet?

Vortragsblock 2

D "Entwicklungsdiagnostik bei sehr kleinen Frühgeborenen und Risikokindern"

Die Frühgeburt gilt zahlenmäßig als bedeutendster Risikofaktor für Erkrankungen und langfristige Auswirkungen auf die Kindesentwicklung. Frühgeborene Kinder sind zahlreich und sie tragen mit zunehmender Unreife ein steigendes Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko wie auch ein erhöhtes Risiko für Entwicklungs- und Verhaltens-auffälligkeiten mit sich. Darüberhinaus gibt es aber eine Reihe von anderen Erkrankungen, wie z.B. eine Epilepsie oder eine Stoffwechselerkrankung, oder Syndrome, wie z.B. die Trisomie 21, oder auch schwierige psychosoziale Bedingungen, z.B. mütterliche Depressivität, Alkoholismus der Mutter, die sich auf die Entwicklung eines Kindes auswirken können.

Es soll im Rahmen des Vortrages ein Überblick zu Besonderheiten in der Entwicklung von sehr kleinen frühgeborenen Kindern und ausgewählten Risikokindern gegeben werden. Weiters sollen entwicklungspsychologisch relevante Aspekte einer umfassenden Entwicklungsdiagnostik beleuchtet (Zeitpunkt der Untersuchungen, Auswahl der Verfahren, Interpretation der Ergebnisse) und die Rolle der entwicklungspsychologischen Diagnostik in der Betreuung von Risikokindern aufgezeigt werden.

E "Lost in Cyberspace: Verhaltenssüchte in der virtuellen Welt"

Das Phänomen von exzessiven, unkontrollierbaren Verhaltensweisen in Bezug auf Glücksspiel, Essverhalten und Sexualität wurde bereits in der Antike beschrieben. Derzeit breiten sich parallel zum wachsenden technologischen Fortschritt die stoffungebundenen Süchte explosionsartig in der Bevölkerung aus. Waren bisher neben pathologischem Glücksspiel die Kauf-, Sex- und Arbeitssucht im Fokus des öffentlichen Interesses, so finden sich heute vermehrt psychische Abhängigkeiten, die mit der Nutzung von Computer, Internet und Smartphone einhergehen. Dabei aktivieren Online-Gaming, Cybersex und Social-Media-Aktivitäten ähnliche neuronale Belohnungsstrukturen wie der Konsum psychoaktiver Substanzen.

Sogenannte "Verhaltenssüchte" hatten bisher mit Ausnahme des pathologischen Spielens keine Entsprechung als eigenständige krankheitswertige Diagnosen in den gängigen Klassifikationssystemen. In diesem Vortrag werden neben der Vorstellung von Modellen zur Ätiologie von Verhaltenssüchten sowie aktueller epidemiologischer Daten zum abhängigen Mediengebrauch die Änderungen in den Neuauflagen der Diagnosemanuale ICD-11 und DSM-5 analysiert. Weiters erfolgt eine Präsentation verschiedener Verfahren und diagnostischer Instrumente, die zur Erfassung eines pathologischen Medien-Nutzungsverhaltens zum Einsatz kommen. Abschließend werden therapeutische Möglichkeiten einer virtuellen Abhängigkeit zur Diskussion gestellt.

F "Borderline Persönlichkeitsstörung - Komorbiditäten, Differentialdiagnostik"

Im stationären Alltag und in der freien Praxis werden wir häufig mit PatientInnen bzw. KlientInnen konfrontiert, die bereits einen längeren Leidensweg - mit überschaubaren Therapieerfolgen - hinter sich haben. Meist wird eine vordergründig breite und resistente Symptombelastung beschrieben, die sich in Ängsten, affektiven Schwankungen, Somatisierungen, Essstörungen wie auch Substanzmissbrauch oder Abhängigkeitserkrankungen zeigt. Trotz dieses Verlaufs hat in einigen Fällen bisher keine Persönlichkeitsdiagnostik stattgefunden oder eine Persönlichkeitsdiagnose wurde lediglich auf Basis einer Einschätzung vergeben.
Im Vorteil zur niedergelassenen Praxis, sind im stationären Setting eine kontinuierliche Verlaufs- und Verhaltensbeobachtung sowie ein Austausch im BehandlerInnenteam über eine längere Behandlungsdauer möglich. Dabei lassen sich Verhaltensauffälligkeiten hinsichtlich Interaktionen, Emotionalität, Impulsivität und affektiven Schwankungen leichter erkennen und in Folge eine erforderliche Strukturdiagnostik einleiten. Damit sollte sichergestellt sein, dass falsch positive oder negative Diagnosen vermieden werden. Gerade bei der Borderline-Störung wird ein breites Spektrum an Komorbiditäten wie auch eine Überschneidung mit Merkmalen komplexer Traumatisierung deutlich. Eine entsprechende Differentialdiagnostik mit "Breitband-" und störungsspezifischen Verfahren erscheint damit unumgänglich. Im Vortrag werden diese Themen erörtert und aus Sicht der praktischen klinisch-psychologischen Erfahrung dargestellt.

Vortragsblock 3

G "Verhaltensbeobachtung als Teil der klinisch-psychologischen Diagnostik"

Nach Abklärung der Grundbegriffe und Darstellung der unterschiedlichen Arten der Beobachtung wird auf Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden der Verhaltensbeobachtung eingegangen.
Anschließend werden die vorgestellten Methoden auf ihre Zulässigkeit und praktische Anwendbarkeit in der klinisch psychologischen Diagnostik an Hand von Fallbeispielen überprüft.
Die Verhaltensbeobachtung soll als ergänzendes Tool in der psychologischen Diagnostik eingesetzt werden können.

H "Differentialdiagnostik Bindungsstörung"

Ausgehend von Bindungsstörungen im Sinne der ICD-Klassifikation werden Störungsbilder mit psychopathologisch identen bzw. ähnlichen Auffälligkeiten diskutiert, differential-diagnostische Abgrenzungen vorgenommen. Auf den Einfluss bestehender Komorbiditäten für den Behandlungsverlauf wird hingewiesen. Das diagnostische Vorgehen (Exploration und Verhaltensbeobachtung, Psychopathologischer Befund sowie hilfreiche Testverfahren) wird erläutert.
Zusätzlich werden aufgrund einer - in der klinischen Praxis - erweiterten Verwendung des Begriffes "Bindungsstörung" im Rahmen biopsychosozialer Modelle Probleme im Bindungsbereich als prädisponierende als auch aufrechterhaltende Faktoren bei verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter besprochen.

I "Interessante Fälle aus der Vertragspsychologischen Praxis"

In diesem Vortrag soll ein Einblick in die Tätigkeit als Vertragspsychologin anhand verschiedener Fragestellungen gegeben werden. Jeweils ein Fall wird zu einem differentialdiagnostischen Schwerpunkt präsentiert.
Es soll die differentialdiagnostische Abklärung jeweils einer Autismus-Spektrum-Störung, einer Demenz und einer Traumfolgestörung mit Mitteln der Anamnese (samt Außenanamnese), freien Verhaltensbeobachtung, Leistungstests und Persönlichkeitsfragebögen dargestellt werden. Das diagnostische Urteil (Beantwortung der Fragestellung unter Verwendung aller vorliegenden diagnostischen Informationen) führt zu den Diagnosen.
Im Fall von Dr.in Weikl führt das Urteil zu einer frontotemporalen Demenz. Es soll eine Abgrenzung zu anderen incipienten/degenerativen Demenzformen gegeben werden; auf essentielle zu explorierende Details soll verwiesen werden und die Bedeutung der exakten Diagnosestellung für die Behandlungskonsequenzen soll herausgestrichen werden.

Fall Mag.a Fanninger: Patient (08,06a) kommt mit seinem Vater und seiner jüngeren Schwester zur differentialdiagnostischen Abklärung: DD ADHS, ASS. Anhand der Verhaltensbeobachtung und der speziell auf die Fragestellung hin ausgewählten Testbatterie (projektive Verfahren, Persönlichkeitsfragebögen, Leistungstests und Intelligenztest) soll die Fragestellung nachvollziehbar beantwortet werden.
Fall Mag.a Kowarik: Häufig bestehen bei traumatisierten PatientInnen zahlreiche psychische Beschwerden, im Laufe der Jahre sammeln sich verschiedene Diagnosen, Psychopharmaka und Gesprächstherapien werden als wenig hilfreich erlebt. Im konkreten Fall soll die Diagnosestellung einer Traumafolgestörung anhand von Anamnese, standardisierten Leistungs- und Persönlichkeitstests, Strukturdiagnostik und projektiver Verfahren (Rorschach-Formdeuteverfahren) veranschaulicht werden.

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